Barbara Rolf - im Gespräch mit Lina Nordmeer


Lina: Erst mal herzlichen Dank, liebe Barbara, dass du dir heute die Zeit nimmst, mir ein paar Fragen zu beantworten zu deiner Berufung!

Wie bist du darauf gekommen, eine Bestatterin zu werden?

Barbara: Der frühe und traumatische Tod meines Bruders hat mich mit Sterben und Trauer konfrontiert. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Ereignis und seinen Folgen hat mich im Laufe der Jahre auf meinen heutigen Beruf „gestoßen“.

Lina: Wolltest du schon immer wissen, wie es nach dem Tod weiter geht?

Barbara: Ja. Ich bin ein neugieriger und auch spiritueller Mensch. Mich interessiert, was hinter den Dingen steckt.

Lina: Glaubst du an Gott, Engel und einem Leben nach dem Tod?

Barbara: Ja.

Lina: Was muss ich als Bestatterin alles machen bzw. was darf ich nicht machen?

Barbara: Oh, wir haben sehr viele und vielfältige Aufgaben. Wir kümmern uns um die verstorbenen Menschen, beraten deren Angehörige, sind Ansprechpartner für ein riesiges Netzwerk von Menschen und Institutionen, die im Trauerfall aktiv werden, wir organisieren, koordinieren, verwalten, gestalten… Wir haben mit Religion und Weltanschauung, Bürokratie und Gesetzen, Sprache und Musik, Design und Blumen zu tun. Jeder Tag ist anders, jeder Trauerfall eine neue Herausforderung. Innerhalb der gesetzlichen Vorgaben dürfen wir sehr viel tun und haben große Spielräume, Abschied nach den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen zu gestalten.

Lina: Gibt es viele junge Leute heute zu tage, die diesen Beruf erlernen wollen?

Barbara: Ja. Seit einigen Jahren sind die Anfragen nach Praktika, Ausbildungsplätzen und Arbeitsstellen um ein Vielfaches angestiegen. Der Beruf wurde in den Medien präsenter, Sterben, Trauer und Bestattung in der Öffentlichkeit wieder zur Sprache gebracht.

Lina: Welche Grundvoraussetzung sollte ich mitbringen, um diesen Beruf auszuüben?

Barbara: Flexibilität, Einfühlsamkeit, Respekt, Toleranz und Freude an Herausforderungen sind unabdingbare Voraussetzungen für diese Arbeit, glaube ich. Natürlich sollten wir auch körperlich und psychisch belastbar sein und „versöhnt“ mit dem Leben, zu dem auch das Sterben gehört. Zuverlässigkeit, Organisationstalent und Verantwortungsbewusstsein sind auch sehr wichtig.

Lina: Welchen Rat kannst du Trauernden geben, damit ihre Trauer und ihr Schmerz besser verarbeitet werden können?

Barbara:“ Lassen Sie sich Zeit und setzen Sie sich nicht unter Druck. Es muss nach ein paar Wochen nicht wieder „gut“ sein, auch nach einem Jahr nicht. Manche Trauer bleibt sogar ein Leben lang bei uns, aber wir dürfen darauf vertrauen, dass wir das tragen können. Lassen Sie die Gefühle zu, die kommen und „verbieten“ Sie sich nicht, wütend zu sein oder fröhlich oder niedergeschlagen und antriebslos. Nehmen Sie Dinge, die andere sagen, an, wenn sie gut und hilfreich für Sie sind. Lassen Sie sie vorüberziehen, wenn sie Ihnen nicht gut tun. Äußern Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse und suchen Sie nach Beratern und Begleitern, die das Ernst nehmen und sich darauf einlassen. Überlegen Sie, was Sie selbst machen, wobei Sie mitmachen und was Sie abgeben möchten.

Sie müssen nicht nur loslassen. Sie dürfen ganz viel auch behalten und festhalten. Der Tod verwandelt Beziehungen, er löscht sie nicht aus.“

Lina: Gibt es ein Beratungsgespräch mit den Trauernden…wie sieht so ein Gespräch aus bei dir?

Barbara: Zunächst erzählen die Familien, was geschehen ist, wie die letzte Zeit war, damit wir ein bisschen erfahren, in welcher Situation sie sind, was sie gerade erlebt haben, in welchem Kontext der Trauerfall eingetreten ist. Dann gibt es einen eher bürokratischen Teil, in dem alle Daten erhoben werden, die wir für das „Amtliche“ brauchen. Dann geht es um die Gestaltung der Bestattung: Wo, wie, wann, wer? Wie sollen Sarg und/oder Urne aussehen, Musik, Blumen, Drucksachen, Rituale… Ein solches Gespräch dauert durchschnittlich 2,5 Stunden. Es ist schon anstrengend für die Familien (und für uns auch), danach sind sie aber in aller Regel auch erleichtert weil sie wissen, wie die nächsten Schritte sind und wie es nun weitergeht.

Lina: Hast du für dich auch schon einen Sarg oder etwas anderes ausgesucht, wenn du mal sterben musst?

Barbara: Ja. Ich habe im vergangenen Jahr ein Vorsorgegespräch geführt mit einer meiner Mitarbeiterinnen. Wir haben alles genau durchgesprochen und festgelegt. Das war gut.

Lina: Wie gehst du persönlich mit dem Tod und dem Abschied nehmen vor?

Barbara: Das lässt sich pauschal schwer sagen. Wir orientieren uns an den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen, die zu uns kommen. Diese sind sehr unterschiedlich. Soll der verstorbene Mensch zu Hause aufgebahrt werden? Möchte jemand beim Einkleiden und Einbetten dabei sein? Soll es eine Aufbahrung geben oder soll der Sarg geschlossen werden? Möchten sie etwas in den Sarg oder in die Urne legen? Welche Zeichen, Rituale, Texte, Musik sind wichtig? Was ist unwichtig? Was ist heilig, was trägt? Möchten sie Sarg oder Urne selbst machen oder gestalten?

Ich finde es wichtig, ganz normal und natürlich mit Trauernden und Verstorbenen umzugehen, da der Tod eine ganz normale und natürliche Angelegenheit ist. Er ist groß, oftmals schwer, für viele Furcht einflößend… Aber er ist ein Lebensteil, der dazugehört und dem wir (in aller Regel) auch gewachsen sind. Das versuchen wir zu leben und erfahrbar zu machen.

Lina: Was ist das schlimmste Erlebnis für dich persönlich als Bestatterin gewesen?

Barbara: Das ist schwer zu sagen… Es gibt Todesumstände, die mich erschüttern, vor allem Unfälle oder Gewalttaten. Es macht mich auch betroffen, wenn wir Menschen bestatten, die von niemandem vermisst werden, die völlig einsam waren. Vor wenigen Wochen haben wir eine Frau beerdigt, die drei Tage lang von Arzt zu Arzt ging und überall abgewimmelt wurde. Niemand nahm sie und ihre Beschwerden ernst. Sie ist dann zu Hause unter qualvollen Schmerzen gestorben. Das hat mir unendlich Leid getan.

Lina: Kann man auch bei dir einen Sarg aussuchen und eine Bestattung bekommen, wenn man nicht aus der Region kommt?

Barbara: Jeder kann bei uns Särge, Urnen, Deckengarnituren oder Grabzeichen erwerben, wenn er das möchte. Auch geben wir gerne Rat, wenn es zeitlich möglich ist oder schicken Infomaterial zu. Bestattungen führen wir in aller Regel nur hier in der Region durch. Wenn es Anfragen aus anderen Gegenden gibt, helfen wir bei der Suche nach einem Institut, das gut zu der Familie passt.

Lina: Was gibst du den Menschen als persönlichen Tipp mit auf dem Weg, wenn es um die eigene Bestattung geht…sollte man jetzt schon alles klar machen…oder es den Angehörigen überlassen…Welche Erfahrungen konntest du in diesem Bereich machen?

Barbara: Es ist auf jeden Fall gut und sinnvoll, sich mal Gedanken darüber zu machen, was man sich im eigenen Trauerfall wünscht. Das sollte man aufschreiben und/oder den Menschen sagen, die sich eines Tages darum kümmern werden. Das können ganz viele und konkrete Vorgaben sein, ebenso der einfache Satz: „Macht das einfach so, wie ihr wollt.“ Fast alle Bestattungsunternehmen bieten Broschüren an, in denen man wichtige Daten und Wünsche festhalten kann. Bei uns heißt das Heft „Wünsche für meine Bestattung. Ein Vorsorgeführer“. Wer alleinstehend ist und niemanden hat, der die Bestattung einst regeln wird, sollte, sofern es bestimmte Vorstellungen und Wünsche gibt, eine Vorsorgevereinbarung mit einem Bestattungsunternehmen treffen. Auf jeden Fall sollte man bei seinen Überlegungen auch die in den Blick nehmen und idealer Weise befragen, die eines Tages damit leben müssen. So lässt sich am ehesten ein Weg finden, der für alle gut und gangbar ist, – für den, der dann weitergeht und für die, die noch hier bleiben werden.

Lina: Ich finde es jedenfalls richtig toll, dass du solch einer wichtigen Berufung nachgehst und danke dir für deine ausführlichen Antworten und Anregungen zu diesem speziellen Thema…Viele Menschen wollen ja nicht unbedingt etwas mit dem Tod zu tun haben…aber er gehört nun mal zum Leben dazu!

 


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