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Fundgrube: Texte und Gedanken
Diese Seite wird stets ergänzt und verändert sich laufend. Wenn Sie einen Text, ein Gedicht, einen Sinnspruch in der Sammlung vermissen, freuen wir uns über eine E-Mail und werden ihn gerne aufnehmen. 

Sollten Sie Rechteinhaber/in eines als mit unbekannte/r Autor/in bezeichneten Textes und mit der Verwendung auf dieser Seite nicht einverstanden sein, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung.

Alte Weisheit
Auf allem Schönen dieser Welt liegt der Tau der Tränen.

Augustinus
Und wenn dich der Tod nicht als Sieger antrifft, so soll er dich wenigstens als Kämpfer finden.

Martin Luther
Die Glocken klingen, klingen viel anders denn sonst, wenn einer einen Toten weiß, den er lieb hat.

Marcus Aurelius
Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird, zu leben.

Aus Spanien
Tote Menschen öffnen den Lebenden die Augen.

H. Bonar
Wirst du die Welt und ihr Tagwerk verlassen, nimmer vergeht, was du liebend getan.

Wilhelm Busch
Hartnäckig weiter fließt die Zeit,
die Zukunft wird Vergangenheit.

M. T. Cicero
Tod ist Ziel der Natur, nicht Strafe.

A. F. Graf von Schack
Das Volk ist nicht edel, das seine Toten nicht ehrt. 

W. A. Mozart 
Ich habe mich mit dem Tod so bekannt gemacht, dass sein Bild nichts Schreckliches mehr für mich hat. 

J. W. v. Goethe 
Der Mensch erfährt, er sei auch wer er mag, ein letztes Glück und einen letzten Tag. 

Nikolaus Lenau 
Wenn wir aus dieser Welt durch Sterben uns begeben, so lassen wir den Ort, wir lassen nicht das Leben. 

Theodor Körner 
Wer das Leben liebt und den Tod nicht scheut, geht fröhlich durch die sinkende Zeit. 

Seneca 
Wie lange ich lebe, hängt nicht von mir ab. Ob ich aber wirklich lebe, solange ich lebe, das hängt von mir ab.

Johann Wolfgang von Goethe

Ich habe viel im Leid gelernt, das ich nirgends in meinem Leben hätte lernen können.

Peter Rosegger
Wo das Leid ist, da kommen leicht auch die Liebe und der Glaube. 

Matthias Claudius
Wir sind nicht umsonst in diese Welt gesetzt. Wir sollen hier reif für eine andere werden.

Emmanuel Geibel
Wenn etwas gewaltiger ist als das Schicksal, so ist’s der Mut, der’s unerschüttert trägt.

Japanisches Sprichwort
Selbst ein Weg von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt. 

Franz von Assisi
Die Tiefe der Menschenseele birgt unergründliche Kräfte, weil Gott selbst in ihr wohnt.

Theodor Fontane
Der Mensch verzweifelt leicht, aber im Hoffen ist er doch noch größer.

Meister Eckhart
Die wichtigste Stunde ist stets die Gegenwart; das notwendigste Werk ist stets die Liebe.

Friedrich Rückert
Schlägt dir die Hoffnung fehl, nie fehle dir das Hoffen!

Jean Paul
Freuden sind unsere Flügel, Schmerzen unsere Sporen.

Cicero
Das ist der größte und sicherste Reichtum: mit dem Seinen zufrieden zu sein.

Henry David Thoreau
Man stirbt an der Angst und lebt aus der Zuversicht.

Arthur Schopenhauer
Je mehr ein Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen.

Euripides
Wer weiß, ob nicht das, was wir „Leben“ nennen, Sterben heißt und „Sterben“ Leben bedeutet.

Salomon Gessner
Stunden der Not vergiss! Doch was sie dich lehrten, vergiss nie!

Christian Fürchtegott Gellert
Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. 

Kerstin Fehrle 
Du trägst mich im Himmel,
ich Dich auf Erden
und wir uns im Herzen.

Antje Sabine Naegeli, Ermutigung 
Verlasse dich nicht!
Begrabe den Schmerz,
der doch der deine ist,
nicht unter dem Felsgestein
der Vergessenheit,
denn unbeweint
kann er nicht Hoffnung gebären,
dich nicht 
zu verborgener Quelle führen, 
die dir das Leben verheißt.

aus: dies., Ich spanne die Flügel des Vertrauens aus, 
© 2005 Verlag am Eschbach der Schwabenverlag AG 
Eschbach/Markgräflerland

Abendsegen
Herr, segne uns,
am Abend des Tages,
am Abend des Lebens,
am Abend der Welt.
Amen. 

Psalm 31,9
Du stellst meine Füße auf weiten Raum. 

Friedrich Rückert
Du bist ein Schatten am Tage
Und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht. 

Worte eines sterbenden Kindes (unbekannt) 
(Sollten Sie der Autor/die Autorin dieses Textes sein, bitten wir um Benachrichtigung)
Der Tod ist doch nur ein Komma, kein Punkt. 

Verfasser/in des amerikanischen Textes unbekannt (Übersetzung)
(Sollten Sie der Autor/die Autorin dieses Textes sein, bitten wir um Benachrichtigung)
Und wenn ich gehe, während du noch hier bleiben musst, wisse, dass ich weiterlebe, schwingend in einem anderen Rhythmus, hinter einem Schleier, durch den du nicht sehen kannst. Du wirst mich nicht sehen können, also musst du vertrauen. Und wenn du mich brauchst, flüstere nur meinen Namen in deinem Herzen, und ich bin da. 

Anton Rotzetter 
In einem Meer von Tränen
versinke ich, mein Gott.
In einen Abgrund von Trauer
falle ich, mein Gott.
Und ich hoffe und ich glaube,
dass auf dem Boden des Meeres das Leben ist
und in der Tiefe des Abgrundes du selbst,
der die Toten lebendig macht. 

Offenbarung 1,17f.
Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. 

Offenbarung 21,4
Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 

Verfasser/in unbekannt
(Sollten Sie der Autor/die Autorin dieses Textes sein, bitten wir um Benachrichtigung)
Auf die Nacht folgt ein stiller Morgen, der noch nicht tröstet, aber sanft, ganz sanft die Seele erhellt.

Verfasser/in unbekannt 
(Sollten Sie der Autor/die Autorin dieses Textes sein, bitten wir um Benachrichtigung)
Erinnerung ist die Kraft, im Winter Rosen zu pflücken. 

Wilhelm Wiesberg (aus dem Wiener Lied "Der erste Schnee")
Während im Salon, im warmen,
mancher scherzt und singt und lacht,
liegt auf den Stufen unten ein Armer,
krank und hilflos in der Nacht.
Hofft das Ende seiner Leiden,
blickt hinauf zu seinen Sternen,
denkt sich bitter: "Wie bescheiden
wird wohl mein Begräbnis werden!"
Doch ein Engel scheint zu reichen
ihm einen Trost, sein Herz zu laben,
sagt ihm leise: "Deinesgleichen
wird am herrlichsten begraben. 
Denn statt Pomp und Heuchelgesichter
glänzen die Sterne als Himmelslichter,
und als Bahrtuch von der Höh',
deckt dich zu der erste Schnee." 

Joseph Freiherr von Eichendorff, Winternacht
Verschneit liegt rings die ganze Welt,
ich hab' nichts, was mich freuet,
verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.
Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seinen Wipfel sacht
und redet wie im Traume.
Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob wird rauschen. 

Verfasser/in unbekannt 
(Sollten Sie der Autor/die Autorin dieses Textes sein, bitten wir um Benachrichtigung)
Es wird Stille sein und Leere.
Es wird Trauer sein und Schmerz.
Es wird dankbare Erinnerung sein, 
die wie ein heller Stern 
die Nacht erleuchtet,
bis weit hinein in den Morgen. 

Joachim Ringelnatz, Der letzte Weg
"Ich gehe ins Wasser," sagte sie leis,
"Ade!
Du hast es gut mit mir gemeint.
So weiß ich einen, der um mich weint.
Hab Dank!"
Ich aber sah ihr tiefes Weh
Und küsste sie, die arm und krank,
Und sagte: "Geh!"

Friedrich Rückert
Wenn in der blühenden Blume die welkende schon du voraussiehst, sieh noch weiter voraus in der welkenden auch die erblühende. 

Gottfried Keller, Die kleine Passion
Der sonnige Duft, Septemberluft,
sie wehten ein Mücklein mir aufs Buch.
Das suchte sich die Ruhegruft
und fern vom Wald sein Leichentuch.
Vier Flügelein von Seiden fein
trug's auf dem Rücken zart,
drin man im Regenbogenschein
spielendes Licht gewahrt!
Hellgrün das schlanke Leibchen war,
hellgrün der Füßchen dreifach Paar,
und auf dem Köpfchen wundersam
saß ein Federbüschchen stramm;
die Äuglein wie ein goldnes Erz
glänzten mir in das tiefste Herz.
Dies zierliche und manierliche Wesen
hatt' sich zu Gruft und Leichentuch
das glänzende Papier erlesen,
darin ich las, ein dichterliches Buch;
so ließ den Band ich aufgeschlagen
und sah erstaunt dem Sterben zu,
wie langsam, langsam ohne Klagen
das Tierlein kam zu seiner Ruh.
Drei Tage ging es müd und matt
umher auf dem Papiere;
die Flügelein von Seide fein,
sie glänzten alle viere.
Am vierten Tage stand es still
gerade auf dem Wörtlein "will"!
Gar tapfer stand's auf selbem Raum,
hob je ein Füßchen wie im Traum;
am fünften Tage legt' es sich,
doch noch am sechsten regt' es sich;
am siebten endlich siegt' der Tod,
da war zu Ende seine Not.
Nun ruht im Buch sein leicht Gebein,
mög' uns sein Frieden eigen sein! 

Ludwig Uhland, Die Kapelle
Droben stehet die Kapelle,
Schauet still ins Tal hinab;
Drunten singt bei Wies und Quelle
Froh und hell der Hirtenknab. 

Traurig tönt das Glöcklein nieder,
Schauerlich der Leichenchor,
Stille sind die frohen Lieder
Und der Knabe lauscht empor. 

Droben bringt man sie zu Grabe,
Die sich freuten in dem Tal.
Hirtenknabe, Hirtenknabe,
Dir auch singt man dort einmal. 

Johann Wolfgang Goethe, Wanderers Nachtlied
Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillst,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Auch ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust? 
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust! 

Augustinus
Wunder stehen nicht im Widerspruch zur Natur, 
sondern im Widerspruch zu unserem Wissen von der Natur. 

Hiob 19,25-27
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen. Danach sehnt sich mein Herz. 

Theresa von Avila
Nun ist es Abend, nun ist es genug.
Nun bring mich, Herr, in deine Hände.
Es war so schwer, als ich mich selber trug.
Nun trägst du mich, in Liebe ohne Ende. 

Platon
Es ist nun Zeit, dass wir gehen, ich um zu sterben, und ihr, um zu leben. Wer aber von uns beiden zu dem besseren Geschäft hingehe, das ist allen verborgen außer nur Gott. 

Heinrich Heine
Ich verlange, dass mein Leichenbegräbnis so einfach wie möglich sei. 

Seneca
Leben aber muss man das ganze Leben hindurch lernen, und worüber du dich vielleicht noch mehr verwundern wirst: Auch sterben muss man das ganze Leben lernen. 

Psalm 68,21
Wir haben einen Gott, der da hilft und den Herrn, der vom Tode errettet. 

Arthur Schopenhauer
Jede Trennung gibt einen Vorgeschmack des Todes, und jedes Wiedersehn einen Vorgeschmack der Auferstehung. 

Jesaja 43,1
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. 

Friedrich Schiller
Das Leben ist nur ein Moment, der Tod ist auch nur einer. 

Johannes 16,22
Jesus spricht: Ihr habt nun Traurigkeit. Aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. 

Johann Wolfgang von Goethe
Und so lange du das nicht hast,
dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
auf der dunklen Erde. 

Aus dem Gesangbuch der 
Neuapostolischen Kirche
Text: Horatius Bonar (1808-1889), Melodie: Ira David Sankey (1840-1908)
1) Gleich wie die schimmernden Sterne erblassen, 
strahlet der leuchtende Morgen sie an, 
wirst du die Welt und ihr Tagwerk verlassen. 
Eines besteht, was du liebend getan. 
Eines bestehet, nimmer vergehet, 
nimmer vergehet was du liebend getan.
Wirst du die Welt und ihr Tagwerk verlassen, 
nimmer vergeht, was du liebend getan. 

2) Wo du im Lenze gepflanzt und gesäet, 
wirst du gewisslich die Ernte empfahn. 
Schnell sind des Sämannes Spuren verwehet, 
eines besteht: was du liebend getan. 
Eines bestehet, nimmer...

3) Hast du für Gott und die Wahrheit gestrebet, 
wacker gekämpft wider Sünde und Wahn, 
wirst du vergessen - doch bleibet und lebet, 
reifet zur Frucht, was du liebend getan. 
Eines bestehet, nimmer ...

4) Himmlische Gaben - wer mag sie ermessen?- 
werden die Treuen vom König empfahn. 
Keinem der Seinen wird Jesus vergessen, 
was er im Leben hat liebend getan. 
Eines bestehet, nimmer ... 

Friedrich Hebbel
Seele, vergiss sie nicht,
Seele, vergiss nicht die Toten! 

Psalm 31,16
Meine Zeit steht in deinen Händen. 

Rainer Maria Rilke
Der Tod ist groß. 
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns. 

Friedrich Hebbel
Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,
sie war, als ob sie bluten könne, rot.
Da sprach ich schaudernd im Vorübergehn:
so weit im Leben ist zu nah am Tod.

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,
nur leise strich ein weißer Schmetterling,
doch ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag
bewegte, sie empfand es und verging. 

Wilhelm Busch
Mein Lebenslauf ist bald erzählt:
In stiller Einsamkeit verloren,
schlief ich, bis dass ich sichtbar ward geboren.
Was aber nun? 
Auf schwachen Krücken, 
ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
bin ich getrost dahingestolpert,
mitunter grad, mitunter krumm.
Und schließlich musst ich mich verschnaufen;
bedenklich rieb ich meine Glatze
und sah mich in der Gegend um.
O weh, ich war im Kreis gelaufen,
stand wiederum am alten Platze,
und vor mir dehnt sich lang und breit
wie ehedem: die Ewigkeit. 

Rabindranath Tagore
Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt.
Das Gehen vollzieht sich im Heben wie im Absetzen des Fußes.

Gesang der Navajo 
(Sollten Sie der Autor/die Autorin dieses Textes sein, bitten wir um Benachrichtigung)
Steht nicht an meinem Grab und weint, 
ich bin hier nicht, ich schlafe nicht.
Ich bin die tausend Winde,
das Diamantglitzern auf dem Schnee.
Ich bin der Sonnenschein auf reifem Korn,
ich bin der sanfte Herbstregen.
Wenn ihr aufwacht in der Morgenstille,
bin ich der schnelle Flügelschlag
stiller Vögel in kreisendem Flug.
Ich bin der Stern, sein mildes Licht in der Nacht.
Steht nicht an meinem Grab und weint, 
ich bin hier nicht…

Charles Péguy
Der Tod ist nichts, ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen. Ich bin ich, Ihr seid Ihr. Das, was ich für Euch war, bin ich immer noch. Gebt mir den Namen, den Ihr mir gegeben habt. Gebraucht nicht eine andere Redeweise, seid nicht feierlich oder traurig. Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben. Betet, lacht und denkt an mich. Betet für mich, damit mein Name im Haus gesprochen wird, so, wie es immer war, ohne eine besondere Belohnung, ohne die Spur eines Schattens.
Das Leben bedeutet das, was es immer war.
Der Faden ist durchgeschnitten. Warum soll ich nicht mehr in Euren Gedanken sein, nur weil ich nicht mehr in Eurem Blickfeld bin?
Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges.

Gita Tost, Vermessene Behauptung
Selbst wenn mit der Morgenröte
über schneebedecktem Land
mein Blick diesen Wandel streifte
hätt ich doch grüne Auen gekannt

Selbst wenn mit dem Zug der Vögel 
über Berge in fernes Land
meine eignen Schwingen hinzögen
hätt ich doch diese Weite gekannt

Selbst wenn in der blauen Stunde 
Kein einziger Ton mehr erklingt
so wüßt ich doch jede Sekunde
wie Seele mit Seele schwingt

Selbst wenn mich der Abend des Abschieds 
mit leeren Händen sieht
so wär ich nie reicher geboren
denn ich habe wahrhaft geliebt.

aus: dies., TRau!MFRAU, S. 77
© 2001 Ulrike Helmer Verlag
Königstein/Taunus

J. W. von Goethe
Wohl ist alles in der Natur Wechsel,
aber hinter dem Wechsel ruht ein Ewiges.

Verfasser/in unbekannt, Heilkraft 
(Sollten Sie der Autor/die Autorin dieses Textes sein, bitten wir um Benachrichtigung)
Nichts wird in meinem Leben die Wahrheit so sehr treffen
wie der Schmerz und die Angst und letztlich die Liebe.
So tief ich den Schmerz empfinde,
so tief ist auch meine Liebe.
Im Spannungsfeld zwischen Liebe und Angst
will ich meine Flügel ausbreiten und meine Kraft leben.
Und dann, wenn mir nichts mehr bleibt
als der Schmerz
das Leben wieder zu finden, das in mir ist.

Hilka Koch, Tag und Nacht
wie tag und nacht
nur hälften sind von einer zeit
wie nähe stets
auch fremde schafft
so findet licht die kraft
aus seiner finsternis
und freude
tiefe aus dem leid
so ist die wärme kalt
und kälte warm
so ist im steigen
schon das fallen
und jedes ende
ein beginn.

aus: dies., SCHNITT/STELLEN, 
Autorengruppe WORTSTATT
© 1998 Isensee Verlag Oldenburg

Sylke-Maria Pohl
Alles verändert sich mit dem, 
der neben mir ist oder neben mir fehlt.

Anne Philipe, Nur einen Seufzer lang 
Ich suche nirgends mehr dein Gesicht. Lange tauchtest du überall auf. Wie sollte ich einen Weg, eine Straße, ein Ufer finden, das wir nicht gemeinsam gekannt hätten? Ich mußte fliehen oder jedem Ort allein begegnen. In der Betriebsamkeit der Menge, in der Einsamkeit eines Waldweges sah ich nur dich. Mein Verstand wies diese Trugbilder von sich, aber mein Herz suchte sie. Du warst fern und nah.

aus: Dies.: „Nur einen Seufzer lang“ (Deutsche Übersetzung von Margarete Bormann)
Copyright © Editions Robert Laffont, Nil, Julliard; Rowohlt Verlag 

Bruno Epple, Gedichte zum Auflesen
Mein Traumboot du
nimm mich auf und hinüber
wo hellere Wogen blauen

wo ich fliegen kann
leichthin
mit ausgespannten Armen

über Hügel hinweg über Teiche
die aufschauen sanften Auges
hinweg über Wälder
hinwallend fromm in Gleichmut

fliegen hinweg
dass ich mich nicht verliere
in süßer Verirrung

sondern hinfinde endlich
als komme ich heim in die Gärten der Sehnsucht.

~~~~

Der Abend über den Dächern brennt, in seinem Rot
das Gold der Sonne zerschmilzt, 

die Nacht kann mich
nicht verfinstern, 
in mir glüht ein Fortverlangen, 
ich trau nicht dem Heinweh,
mich schimmert Helleres an,
es treibt mich hin
in ein Morgen das ruft
und zu dem ich bestimmt bin.

~~~~

Die Nacht gebiert den Tag: 
aus schweren Träumen kommt er ans Licht
und staunt sich selber an,

aus dem Schoß des Winters
drängt es den Frühling hervor, 
aus dem Nebel
wie verwunschen die Sonne,
aus dem Schweigen 
das Wort, 

auch unter Verfall und Ruine
pulst Neues ins Leben
wieder und wieder
mir zum Verwundern.

~~~~

Der Winter kommt zu sich:
es schneit
in Keuschheit verwandelnd das Land.

Mit erfrischten Augen
sehe ich neu
auf dem Weiß zart hingezeichnet
Baum bei Baum mit verzücktem Geäst.

Den Weg hin folge ich
denen die mir voran sind – 
meine Tritte in ihrer Spur.

Aufflattern Krähen
und suchen das Weite.

Mein Ohr ist voll der Stille,
ich fühle mich frei.

Eigensinnig hinein ins 
Unbetretene
stapfe ich weiter und weiter

einig mit mir.

aus: Ders.: Gedichte zum Auflesen, Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen 2010.
Bestattungen Rolf

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